Paketdienste im Vergleichstest

Dem VKI-Test lagen für die insgesamt 150 Paktzustellungen drei Szenarien zugrunde: Im ersten Szenario war der Empfänger der Pakete zuhause, um die Pakete persönlich zu übernehmen. Im zweiten Fall war der Empfänger auch zuhause, nur gab er sich nicht zu erkennen und beobachtete einfach, wie der Zusteller auf die Nichtanwesenheit reagierte und im dritten Setting war der Empfänger nicht zuhause.


Ein ernüchterndes Ergebnis

Nur zehn Prozent der Zustellungen gelang ohne Fehler. Der Testsieger ist eindeutig die Post: Von 25 beobachtbaren Fällen kam es nur ein einziges Mal zum „Unterlassen des Zustellversuchs". Dahinter rangieren GLS und UPS mit der Gesamtbewertung "durchschnittlich", DHL und DPD mit "Wenig Zufriedenstellend". Sei es, dass kein Zustellversuch unternommen wurde, Pakete einfach irgendwo abgelegt wurden oder an einem weit entfernten Ort (in einem Fall bis zu 20 Kilometer) abzuholen waren.

Häufigster Mangel

"Sehr oft werden die Pakete ohne anzuläuten vor der Haustür, bei Nachbarn, oder überhaupt gleich an der Abholstelle deponiert", erklärt AK-Marktforscherin Susanne Bauer und rät: "Aufgrund dieser Qualitätsunterschiede lohnt es sich nachzufragen, wer zustellt." Bei Onlinekäufen von Händlern ist das weniger problematisch, da der Vertrag erst erfüllt ist, wenn das Paket ankommt. Bei Käufen von Privaten über eBay oder willhaben.at trägt aber der Käufer das volle Risiko sobald der Verkäufer das Paket an die Transportfirma übergeben hat. Er kann sich zwar an dieser schadlos halten, aber ist das oft mit Beweisproblematiken verbunden.

Analyse der Arbeitswelt

Der Markt wächst: Allein im Vorjahr wurden österreichweit 208 Millionen Pakete verschickt (Stand 2016: 181 Millionen). Die Zustellung in der Steiermark wird einerseits von der Post selbst oder auch durch Partnerunternehmen und andererseits von den vier großen Logistikkonzernen, die generell auf Sub- und Einpersonenunternehmen zurückgreifen, durchgeführt. Die großen Konzerne orientieren sich am Gewinn und zeichnen sich durch Normalarbeitsmodelle unterschiedlicher Ausprägung aus. Die Kleinstunternehmer sind wirtschaftlich auf die Bedarfsdeckung des Inhabers ausgerichtet und weitestgehend abhängig von nur einem Auftraggeber.

Schlechte Arbeitsbedingungen

Steiermarkweit sind täglich rund 1.000 Zusteller unterwegs – und das zu sehr unterschiedlichen (finanziellen) Bedingungen. Sie klagen über hohen und immer weiter steigenden Druck in der Branche – lange Arbeitszeiten, hohe Arbeitsintensität, oft Teilzeitbeschäftigungsverhältnisse, obwohl bereits Vollzeit gearbeitet wird, hohe Fluktuation, oft auch prekäre Arbeitsverhältnisse usw. "Es gilt immer mehr Pakete in derselben Zeit zuzustellen", erklärt Marktforscherin Bauer. Zudem nimmt die psychische Belastung zu, vor allem, wenn sie einem ständigen Monitoring unterliegen oder durch ganz konkrete Probleme, wie der Suche nach einem geeigneten Parkplatz. „Die Arbeitnehmer wissen um den Stress und die schlechten Arbeitsbedingungen, brauchen aber das Geld und machen deshalb den Job", so Bauer.

AK-Präsident Josef Pesserl appelliert an die Vernunft der Arbeitgeber, auf die Arbeitnehmer und deren Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen und das Augenmerk auf faire Arbeitsbedingungen zu legen.